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Alter Soul in jungem Body – die britische Sängerin und Gitarristin Josephine.

| Reinhard Stiehl

Von Joan Armatrading oder Tracy Chapman, mit denen sie schon früh verglichen wurde, hatte sie zuvor noch nie etwas gehört – Josephine Ejiroghene Oniyama, Tochter nigerianischer Eltern, ist ein Mancunian. So bezeichnet man die Einwohner von Manchester. Und Manchester, wo Josephine im „Multikulti“-Stadtteil Cheetham Hill aufwuchs, ist die Wiege des gitarrendominierten Brit-Pops.

Aus Manchester kommen The Smiths und Oasis. Als junger Teenager schwärmt Josephine Anfang der 90er Jahre für Liam Gallagher, erst später entdeckt sie im Plattenschrank ihrer Mutter Van Morrison, Bob Dylan, Joni Mitchell, Bob Marley und King Sunny Adé. Und das sollte nicht ohne Folgen bleiben.

Josephine

Mit 12 bekommt sie ihre erste Gitarre. Ihr Englisch-Lehrer bringt ihr das Gitarrespielen bei und rät ihr, authentische Texte über sich und ihr Leben zu schreiben. Mit 15 hat sie ihre ersten Auftritte und 2002, gerade 19 Jahre jung, veröffentlicht sie ihr erstes Album: „A Smaller Version of the Real Thing“. Folk-Music. Alles spricht dafür, dass Josephine Oniyama eine große Karriere bevorsteht. Aber sie sollte noch lange das ewige Talent und der „Opener“ für andere Bands bleiben, bis ihr endlich – 10 Jahre später – die Beachtung und Anerkennung zuteil wird, die ihrem großen Talent angemessen ist.

josephine-portrait

„Portrait“, 2012 zunächst nur in England, 2013 auch in Deutschland erschienen, wird häufig als Debut-Album von Josephine, wie sie sich jetzt nur noch schlicht nennt, bezeichnet. Dabei ist es bereits ihre dritte Veröffentlichung, wenn man die 2008 bei Island-Records erschienene EP „In the Labyrinth“ mitzählt, die allerdings ebenso in der Versenkung verschwand wie ihr Debut von 2002. An den Übernacht-Erfolg glaubt Josephine ohnehin nicht:

There’s this whole concept of overnight success, but it doesn’t really exist. Most people work at it for years before they get anywhere, and then suddenly it looks that way because no-one’s heard of you until that point.

„Portrait“ ist zudem keines dieser Alben, die in 3 Tagen im Studio eingespielt werden. Es ist eine Sammlung älterer und neuer Songs, die Josephine mit verschiedenen Musikern, Bands und Produzenten geschrieben und eingespielt hat, darunter Leo Abrahams und Ed Harcourt, die bereits mit Größen wie Brian Eno oder Tom Waits musiziert haben. Dass „Portrait“ dennoch so geschlossen klingt wie ein Konzept-Album, liegt an der alles überragenden Stimme der (mittlerweile 30jährigen) Sängerin und Gitarristin, die in der Tat genauso eindringlich ist wie die von Joan Armatrading oder Tracy Chapman, aber eine weitaus größere Bandbreite bietet.

Der britische Musiker und Produzent Guy Garvey nannte sie „the voice of an old soul singer in a beautiful young girl“, aber Josephine ist nicht wie Duffy, Amy Winhouse oder Adele ein weiteres Soul- und R&B-Revival-Girl. Ihre Musik hat ihren ganz eigenen Stil, von melancholischen Balladen bis zu feurigen Rhythmen. Niemand singt und spielt Josephine wie Josephine. Und es wäre ihr zu wünschen, dass man eines Tages über eine andere junge talentierte Sängerin schriebe: Sie klingt wie Josephine.