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Der Impressionist: Manager, Privatier und Fotograf Klaus Schattner.

| Reinhard Stiehl

Im Laufe eines Agenturlebens trifft man manchmal auf Kunden, zu denen sich über die Geschäftsbeziehung hinaus auch ein persönliches Verhältnis entwickelt. Klaus Schattner habe ich vor über 20 Jahren als Geschäftsführer eines Automobilzulieferers kennen und schätzen gelernt. Seitdem verbindet uns ein ganz besonderes Verhältnis. Er nennt es „respektvolle Vertrautheit“.

Klaus SchattnerKlaus Schattner (Foto: Sima Kocheki)

Unser Referenzblatt, ein Nachdruck aus dem GWA-Jahrbuch, landete Anfang der 90er Jahre auf dem Schreibtisch seiner Sekretärin, die das Vertrauen ihres Chefs genoss, selbst entscheiden zu dürfen, welche der zahlreichen Agenturbewerbungen am Ende in seiner Post lagen. Unsere lag zuoberst. So lernten wir uns kennen.

Klaus Schattner hatte die Geschäftsführung der Stolzenauer Niederlassung eines Herforder Unternehmens mit dem Ziel übernommen, aus einem „Gemischtwarenladen“ einen profitablen Automobilzulieferer zu machen. Er hatte ein klares Bild vor Augen, wie er das Unternehmen neu strukturieren und positionieren und so buchstäblich in eine neue Ära führen wollte.

1991 war „era“ aus Stolzenau mit Kunstleder und Schaumfolien für Dachhimmel, Seitenverkleidungen und Armaturentafeln erstmals in sämtlichen neuen Auto-Modellen vertreten. Gleich mehrmals wurde das Unternehmen danach von namhaften Auto-Marken als Lieferant des Jahres ausgezeichnet: „a passion for excellence“ – das ist Schattners ganz persönlicher Claim, nicht nur für die Marke „era“.

FachanzeigeFachanzeige für „era“

Wir machten Werbung für „era“, die im Umfeld langweiliger Fachanzeigen auch den Kunden unseres Kunden auffiel. Dem Einkäufer eines Automobilherstellers gefiel eine „era“-Anzeige so gut, dass er sie sich als Poster in sein Büro hängte.

(Das entspricht, nebenbei, unserer Agentur-Kultur, die u.a. besagt, dass unsere Wände im Büro weiß bleiben und unsere Arbeiten dort hängen, wo sie hingehören: beim Kunden. In diesem Fall sogar beim Kunden unseres Kunden.)

2005 entschloss sich Klaus Schattner im Alter von 58 Jahren, seinen Vertrag als Geschäftsführer und mittlerweile auch Anteilseigner von „era“ nicht noch einmal um weitere 5 Jahre zu verlängern. Er verkaufte seine Anteile, privatisierte und wurde frei für seine andere Passion, die Fotografie.

„Heavens Door“ (Foto: Klaus Schattner)

„LoveStonded“ (Foto: Klaus Schattner)

Ursprünglich sollte der Sohn eines Pfälzer Textilunternehmers einmal das väterliche Geschäft weiterführen. Aber „der Kleine“, wie das Nesthäckchen aus zweiter Ehe im Elternhaus gerne gerufen wurde, hatte einen zu starken eigenen Willen. Darin ähnelte er seinem Vater so sehr, dass es dem Jungen unmöglich war, „unter“ dem Alten zu arbeiten. Nur dank seiner mitfühlenden Mutter war er dem Internat entgangen. Sie hatte sich schützend vor ihren Sohn gestellt, als der Vater ihn auf eine Eliteschule schicken wollte. Als Jugendlicher entdeckte er die Kamera. Sein BWL-Studium in Freiburg finanzierte er mit Sport-Fotografie.

Schattner ist begeisterter Fußballer (Mittelstürmer) und schlug als junges Talent sogar ein Angebot der „roten Teufel vom Betzenberg“ aus. Der „Proletensport“ fand aber ebenso wenig die Anerkennung des alten Herrn wie die „Knipserei“. Und dennoch war der Vater prägend. Wenn er im Rauchersalon seine Gäste empfing, dann war der junge Klaus oft dabei hörte aufmerksam zu. Eine Lehrstunde in Menschenführung und Unternehmenspolitik, die dem späteren Betriebswirtschaftler in seinen ersten Jobs zugute kam: bei Pegulan (heute Tarkett), bei Peguform (heute smp) oder beim Freiburger „Baulöwen“ Koch.

Mergers & Akquisitions wurden Schattners Spezialität. Er, der sich geweigert hatte, das väterliche Unternehmen zu übernehmen, wurde nun zur Integrationsfigur für Unternehmensübernahmen im Mittelstand, denn hier war (die väterliche) Konsequenz und Disziplin ebenso gefordert wie (die mütterliche) Empathie.

Abbildung Buch Cover

1988 veröffentlichte er sein erstes Buch „Die Zukunft meistern – Marketing nach Maß für Mittel- und Kleinbetriebe“ (Kleffmann-Verlag, Bochum). Über Roland Berger kam er schließlich zu „era“. 1995 erschien sein zweites Buch „Die neue Realität in der Zulieferindustrie. Marketing und Anpassungsprozesse.“ (Verlag Moderne Industrie, Augsburg)

10 Jahre später stieg er aus und widmete sich fortan ganz der Fotografie. Er hatte es nicht nötig, sich um Aufträge oder Ausstellungen zu bewerben. Die kamen von allein.

Neben Portraits, darunter Auftragsarbeiten für die Davidoff-Lounges, zählen vor allem Landschaften zu Schattners Œuvre. Dabei bildet er nicht die Landschaft ab, sondern seinen inneren Eindruck von der Landschaft. Genau wie als Manager und Unternehmer hat er bereits ein Bild im Kopf, wenn er loszieht, um nach dessen landschaftlicher Abbildung zu suchen. Oft wartet er stundenlang, manchmal tagelang, bis ihm die Landschaft den Gefallen tut und ihm sein Motiv liefert.

„Morning Mood“ (Foto: Klaus Schattner)

Schattner fotografiert digital, aber er denkt analog. Wie einst die Impressionisten im 19. Jahrhundert ihre neuen, industriell gefertigten Farben nicht mehr auf der Palette, sondern auf der Leinwand mischten, so nutzt Schattner die innovativen Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung. Er bearbeitet seine Bilder nicht, er gestaltet sie. Seine Fotos sind Kunstwerke mit einer klaren Ordnung einerseits und einem hohen Grad an Emotionen andererseits.

Seine Emotions-Tour durch Europa (gemeinsam mit 3 weiteren Fotografen und 8 Special Guests) brachte Schattner 2009 erstmals einem größeren Publikum näher. Mit der Aufnahme als einer von „100 Fine Art Photographers“ in das „Who’s Who In Visual Arts“ gelang ihm 2011/2012 der Durchbruch und die Anerkennung der Fachwelt. Auch in der Ausgabe 2013/2014 wird er wieder vertreten sein.

Schattners neueste Werke werden zunehmend abstrakter, entfernen sich immer weiter von der äußeren zu einer inneren Landschaft, die nach einem Ausdruck sucht; sie gleichen Gemälden: sie bilden Kunst – anstatt Realität abzubilden. Immer noch arbeitet er, wie seinerzeit die Impressionisten, am liebsten „pleinair“ und „sur le motif“. Licht und Perspektive sind ihm wichtiger als das Motiv selbst. Heute sind seine Bilder immer weniger einer konkreten Landschaft zuzuordnen. Es scheint als bewege er sich noch weiter weg von der objektiven Wirklichkeit hin zu einer subjektiven Wahrheit.

„Harmonie“ (Foto: Klaus Schattner)

„Dämmerung“ (Foto: Klaus Schattner)

„Wattwanderung“ (Foto: Klaus Schattner)

Die zweite Emotions-Tour mit Landschaftsbildern von Klaus Schattner startet am 7. Juni 2013 in seiner heutigen Heimat Oldenburg.

Heute treffe ich Klaus Schattner nicht mehr als Geschäftsführer zu Präsentationen im Konferenzraum seines Unternehmens, sondern als Gesprächspartner zum Mittagessen in einem guten Restaurant in Oldenburg oder Osnabrück. Der Respekt ist geblieben, die Vertrautheit gewachsen.