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Mainstream auf dem Meer – das Kreuzfahrt-Logbuch.

| Reinhard Stiehl

PROLOG

Alles fing alles damit an, dass ich meiner Frau zum Valentinstag eine Freude machen wollte und sie ins Kino einlud. Wir sahen uns die Verfilmung von „Ich bin dann mal weg“ an. Kaum aus dem Kino raus, sagte meine Frau: „Das machen wir auch.“ Den Jakobsweg gehen, meinte sie. Mein Vorschlag, die Rolle des Ehemanns im Film zu übernehmen, der direkt nach Compostella fliegt und dort auf der Kirchentreppe auf seine Frau wartet, während sie den ganzen Weg zu Fuß läuft, fruchtete nicht.

Aber plötzlich gab es eine Alternative: „Dann machen wir eben eine Kreuzfahrt in der Karibik.“ Das nenne ich mir weibliche Logik! „Wieso denn jetzt auf einmal Karibik?“ – „Weil wir immer schon eine Kreuzfahrt machen wollten.“ Ach so!

VORFREUDE

Vier Jahre hatte ich mich erfolgreich dagegen gewährt, eingepfercht in diesen Plattenbauten auf See über eins der Sieben Meere schippern zu müssen. Und noch länger war es mir gelungen, die mörderische Hitze und Luftfeuchtigkeit der Karibik zu meiden. Meine Argumente – angefangen von „dort gibt es immer noch Piraten“ bis hin zu „ich möchte nicht im Bermuda-Dreieck verschollen sein“ – wussten auch nicht recht zu überzeugen. (Zumal die Bermuda-Inseln nicht in der Karibik, sondern viel weiter nördöstlich liegen.)

Anleger Plattenbauten auf See: Kreuzfahrtschiff im Hafen von Roseau, Dominica

Hans Peter Kerkeling war also schuld, dass es „Mein Schiff 5“ wurde.

Immerhin nicht die AIDA, von der ich wahre Horrorgeschichten gehört hatte. Da auf der AIDA nicht alles „all inclusive“ war, sollen sich dort zu Essenszeiten tumultartige Szenen in den Buffet-Restaurants abspielen, da eben nur zu Essenszeiten auch die Tischgetränke „all inclusive“ sind. – „Mein Schiff 5“, die bessere (und vor allem teurere) Variante des modernen Kreuzfahrtschiffes wirbt damit, dass hier nun wirklich alles „all inclusive“ sei. Dass auch das nicht die ganze Wahrheit ist, wird gerne verschwiegen.

Mit dem Flugzeug von Köln/Bonn nach La Romana in der Dominikanischen Republik. Und dann weiter an Bord auf große Reise zu den Kleinen Antillen. Mein Gott, wo liegen die noch mal? Grenzt „Dom-Rep“ nicht direkt an Kuba? Falsch! Es grenzt an Haiti! Kuba ist die Insel links daneben. Wie bitte? Liegt Haiti nicht im Pazifik? Falsch, das ist Tahiti! Meine bescheidenen geografischen Kenntnisse geboten mir mehr Demut. Und Dankbarkeit! Denn wir bekamen noch eine Balkonkabine. Auf Deck 9, zum Bug hin. (Das ist vorne beim Schiff.)

Backbord oder Steuerbord? Der Mitarbeiter des Reisebüros stand von seinem Platz auf und stellte sich so hin, wie das Schiff wahrscheinlich fahren würde, seine Nase war der Bug, sein Hintern das Heck, um herauszufinden, welche der beiden Seiten die bessere wäre. „Also, ich bin jetzt das Schiff und wir fahren gerade von La Romana nach Dominica“ (die ich bis dahin nicht für eine karibische Insel, sondern für eine Hamburger Domina gehalten hatte). „Dann müssten Sie die Kabine auf der Steuerbordseite buchen. Dann sind Sie praktisch immer auf der Sonnenseite.“ – „Ich liege lieber im Schatten.“

An_Deck Bug ist vorne beim Schiff!

Es kam natürlich ganz anders, weil das Schiff – ganz im Wortsinne – kreuz und quer durch die Karibik fährt, d.h. mal so oder auch mal andersherum. Ob Steuerbord oder Backbord ist also gehupft wie gesprungen. Die alte Regel, dass ein Schiff im Hafen immer an der Backbordseite anlegt, gilt offenbar nicht mehr. Jedenfalls nicht für Kreuzfahrtschiffe.

ZUG ZUM FLUG

Um überflüssiges Gepäck zu sparen, mitten im November so gekleidet als würde man in den Sommerurlaub starten. Um uns herum, und dem kalten Herbstwetter entsprechend angemessen angezogen, lauter normale Menschen, die ihrer geregelten Arbeit an einem trüben Novembermorgen nachgehen. Auf dem Bahnhof Köln-Deutz („dieser Zug hält heute nicht in Köln Hbf“) irren zwei orientierungslose Touristen, bepackt mit viel zu großen Koffern auf viel zu kleinen Rollen, ziellos umher und suchen den S-Bahnsteig zum Flughafen Köln/Bonn.

Flüchtlinge? Asylsuchende? Bonner Beamte auf dem Weg nach Berlin? Nein, Kreuzfahrer auf dem Weg in die Karibik!

Der Flughafen Köln/Bonn zählt nicht unbedingt zu den schönsten Flughäfen Deutschlands. Auch nicht zu den neuesten. Dass es in Köln, anders als in Düsseldorf, aber nicht einmal zu einem eigenen Flughafen gereicht hat, gehört zu den tiefsitzenden Stacheln in der immerwährenden Lokalrivalität mit der nordrheinwestfälischen Landeshauptstadt. Aber dafür ist man hier in Köln/Bonn auch schlechter organisiert!

„La Romana oder Phuket?“, ruft eine Reiseleiterin, „hier entlang!“. Das fehlte noch! Aus Versehen in der falschen Reihe anstehen und dann im Bumsbomber nach Südostasien landen, während die gesamte Sommergarderobe auf dem Weg nach Westindien ist. Da hat sich schon mal einer vertan!

Dann der erste Schock im Wartebereich vom Gate: Sind diese Fluggäste etwa die Passagiere, die eine Karibik-Kreuzfahrt gebucht haben?! Ich hatte lauter Hochbetagte und Gutbetuchte erwartet. Stattdessen finde ich mich auf einem Tattoo-Treffen Marke Camp David wieder. Noch dazu mit sächsischem Akzent!

Passagiere Tattoo-Treffen Marke Camp David: Passagiere an Bord der „Mein Schiff 5“

„Bist Du sicher, dass das der richtige Flieger ist?“

Wer öfter fliegt oder wenigstens diesen Eindruck erwecken möchte, sagt nicht mehr Flugzeug sondern Flieger. Man sagt auch nicht „ich fliege …“ (zum Beispiel nach Phuket), sondern „ich gehe …“. Das ist internationales Deutsch. So wie „Destination“. – „Und welche Destination gehen Sie?“ … ist folglich bestes Flieger-Deutsch!

IM FLIEGER

Wir gehen nach La Romana und sitzen im Flieger auf der rechten Seite. Also praktisch Steuerbord. Das hat der Reisebüromitarbeiter für uns so reserviert. Die Morgensonne scheint mir direkt ins Gesicht. Meine Frau am Fenster, ich zum Gang, damit ich meine langen Beine ausstrecken kann. Allerdings wäre ich heute Invalide, wenn ich sie wirklich ausgestreckt hätte, so oft wäre der schwule Steward mit seinem Wagen darübergefahren. Ja, der Steward ist schwul. Ganz so wie im Klischee. Ich betone das nicht, weil ich etwas dagegen hätte (schließlich sind wir in Köln gestartet), sondern weil der Steward es selbst demonstrativ zur Schau trägt. Sehr amüsant.

Anders als die Filme an Bord.

Nein, nicht schon wieder Schweighöfer! Gibt es denn keinen deutschen Film mehr ohne Schweighöfer? Dann eben George Clooney als „Money Maker“. Wirklich gut, wirklich spannend. Man glaubt bei George Clooney ja immer noch, er sei nur der bestaussehendste Mann der Welt, aber er ist auch ein wirklich guter Schauspieler. Das wird oft unterschätzt. So wie Schweighöfer immer überschätzt wird.

10 Stunden im Flieger sind kein Zuckerschlecken. Vor allem nicht bei dem Essen. Man glaubt es nicht, aber es geht immer noch schlechter und es gibt immer noch weniger. Und natürlich ist an Bord des Fliegers fast alles nicht „all inclusive“. Außer Tomatensaft. Den trinke ich immer nur im Flieger. Auf dem Erdboden würde ich niemals auf die Idee kommen, Tomatensaft zu trinken. Hat das eigentlich schon mal jemand erforscht – dieses Tomatensaft-Bedürfnis an Bord eines Fliegers?

Und noch jedes Mal nehme ich mir vor, beim nächsten längeren Flug (wenn ich zum Beispiel in die USA gehe), einen besseren Platz mit mehr Beinfreiheit zu buchen. Leider bin ich kein Vielflieger und vergesslich. Ein Psychologe würde sicher herausfinden, dass ich mir den Aufpreis im Unterbewusstsein selbst nicht gönne und mich mit diesen Thrombose-Sitzen womöglich selbst bestrafen möchte. Aber solche negativen Gedanken können auch mit den plötzlichen Turbulenzen in 11.000 Metern Höhe mitten über dem Atlantik zu tun haben, denn wir gehen zwar nicht auf die Bermuda-Inseln, überfliegen aber gerade das gleichnamige Dreieck.

Landgang Hochbetagte und Gutbetuchte? Kreuzfahrer beim Landgang.

Mehr Angst als vor dem Fliegen habe ich allerdings vor den Reisenden auf Kreuzfahrtschiffen. Noch dazu, wenn sie so aussehen wie die Passagiere hier im Flieger. Aber das sind bestimmt nur die typischen Dom-Rep-Urlauber aus Meck-Pom. Die steigen aus und gehen an ihre Strände oder gleich an die Strand-Bar. Und am Flughafen treffen wir dann auf die wahren Kreuzfahrer: Hochbetagte und Gutbetuchte. Die sind mit der Lufthansa in die Karibik gegangen und nicht wie wir mit der Lufthansa für Arme (Eurowings).

Sind sie nicht.

In La Romana angekommen stellt sich heraus, dass sämtliche Passagiere des Eurowings-Fluges in die bereit gestellten Busse wechseln, die uns aufs direkt auf „Mein Schiff 5“ bringen.

AN BORD

Mit dem Einchecken beginnt eine andere Welt. Plötzlich sind alle freundlich und gut gelaunt. Ab jetzt gibt es immer und überall etwas zu trinken. Außer Tomatensaft. Es geht gleich an Deck, die Koffer werden bis vor die Kabinentür gebracht. Man öffnet die Kabinentür … der Moment, der einen ganzen Urlaub versauen kann … und ist erfreut. Größer als gedacht. Selbst der Balkon. Und über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, vor allem wenn er maritim ist. Willkommen an Bord! Wenn man schon eine Kreuzfahrt machen muss, dann niemals ohne Balkonkabine! (Es gibt übrigens tatsächlich Reisende, die sich über den fehlenden Balkon in ihrer Innenkabine beschweren.)

Balkon Reisende, die sich über den fehlenden Balkon in ihrer Innenkabine beschweren.

Erst jetzt, auf dem Balkon der Balkonkabine wird mir die Hitze so richtig bewusst. Tropische, feuchte Hitze, die uns die nächsten 14 Tage begleiten wird. Aber zum Glück sind die Kabinen ja klimatisiert. Man hört das spätestens nach einer Woche am röchelnden Husten der meisten Mitreisenden.

Das Schönste an einer Kreuzfahrt durch die Karibik, um das gleich vorweg zu nehmen, ist das Rauschen der Wellen in der Nacht, wenn das Schiff auf hoher See unterwegs ist zum nächsten Hafen. Wenn man allein ist mit seiner Liebsten in der Balkonkabine oder auf dem Balkon der Kabine.

Es ist nicht unbedingt kühler als tagsüber, aber der Wind weht und man kann die Balkontür offenstehen lassen. (Die Klimaanlage ist dann ausgeschaltet.) Allein für das Rauschen der Wellen in der Nacht hat sich die Reise gelohnt. Man kann das vielleicht auch billiger haben. Aber hätte man es allein dafür auch gebucht?

Nachts auf die Reling gelehnt dem Meer beim Wellenmachen zuschauen.

Homo Faber. Die Überfahrt von New York nach Europa. So habe ich mir eine Schiffsfahrt immer vorgestellt. Deck-Chairs aus Teakholz. Gepflegte lange Weile. 7 Tage lang. Nichts als Meer. Stundenlang liegen und lesen. Wenn es kälter wird, eingehüllt in warme Decken. Scheint die Sonne, einen Borsalino auf dem Kopf in angeregter Konversation mit unaufdringlichen Gästen. Manchmal hoher Wellengang, schwankend durch Kabinengänge torkeln. Dann wieder ruhige See und endloser Horizont. Abends in angemessener Garderobe zum Dinner. (Camp David-Verbot!)

Fotomotiv Leute fotografieren, die Sonnenuntergänge fotografieren.

Carribean Sunset. Noch schöner als die Sonnenuntergänge sind nur die Sonnenaufgänge, bevor die Sonne beginnt, ihre brütende Hitze über das Land auszubreiten. Selbst bei stärkerer Bewölkung setzt sie sich morgens fast immer durch. Manchmal nur für Momente. Und liefert jeden Tag die besten Motive für die Kamera. Statt Sonnenuntergänge zu fotografieren, fotografiere ich abends lieber heimlich die Leute, die Sonnenuntergänge fotografieren.

SEETAG

„Mein Schiff 5“ bietet Raum für 2.500 Gäste. An Seetagen drängen sie sich an Deck in hunderten Liegestühlen, die auch hier schon frühmorgens mit Handtüchern und anderen Bade-Utensilien belegt werden. Im Kampf um die besten Plätze an der Sonne (und die manchmal noch besseren im Schatten) muss schließlich jeder sehen wo er bleibt. Kreuzfahrt ist praktizierte Ich-AG auf See.

„Mein Schiff 5“ ist das größte Kreuzfahrtschiff der TUI-Flotte. Man hat erkannt, dass ab einer bestimmten Schiffsgröße die Kosten nicht mehr proportional zum Aufwand steigen. Ein Schiff mit doppelt so vielen Gästen an Bord bedeutet nicht zwangsläufig doppelte Kosten. Es lohnt sich also, immer größere Schiffe zu bauen. Die großen amerikanischen Schiffe beherbergen bis zu 4.500 Menschen. Wie weit man diese Dimensionen noch ausreizen kann, hängt – außer von den nautischen Gegebenheiten – nur von der Investitionsbereitschaft der Reeder ab. Und natürlich vom Markt. Aber der Markt brummt.

Restaurants Restaurants auf „Mein Schiff 5“: Das Zauberwort heißt „all inclusive“.

Die Demokratisierung, besser „Discountisierung“ auch dieser Urlaubsform, die früher tatsächlich nur den Hochbetagten und Gutbetuchten vorbehalten war, schreitet ebenso voran wie bei jedem anderen Tourismus-Trend. TV-Serien wie „Traumschiff“ oder die amerikanische Vorlage „Love Boat“ haben den Boden bereitet. Oder um im Bild zu bleiben: die Welle ausgelöst.

Und so erklärt sich schließlich auch das Publikum auf „Mein Schiff 5“. Das Zauberwort heißt „all inclusive“. Hier wird knallhart gerechnet. Egal, ob die Reise vom Mund abgespart ist oder ein Urlaub unter vielen ist.

Dabei verhält es sich wie mit allen Verpackungen heute: Es ist nie genau das drin, was draufsteht. Auch auf „Mein Schiff 5“ gibt es eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Es gibt die Suiten mit eigenem Deck, zu denen uns gewöhnlichen Reisenden der Zutritt verwehrt bleibt. Es gibt die Restaurants, in denen man draufzahlt und das nicht zu knapp. Und es gibt die Getränke, die nicht „all inclusive“ sind. Morgens laufen die Kellner an den Tischen vorbei und bieten frisch gepressten Organsaft oder Champagner gegen Aufpreis an. Das nervt bzw. ist mir, stellvertretend für die armen Kellner, einfach nur peinlich. Bei den Getränken wirkt die Zwei-Klassen-Gesellschaft auf „Mein Schiff 5“ allerdings am lächerlichsten, denn bis auf wenige Ausnahmen ist an fast jeder Bar zu fast jeder Zeit fast alles „all inclusive“. Und das Essen in den „all inclusive“ Restaurants ist sogar sehr gut – vor allem, wenn man bedenkt, was hier logistisch geleistet werden muss, wenn hunderte Gäste gelichzeitig bedient und beköstigt werden müssen.

Überhaupt die Mitarbeiter! Allesamt sehr freundlich und das wirkt nicht einmal aufgesetzt oder eintrainiert. Mitarbeiter aus über 40 Nationen scherzen munter miteinander, denn hier sitzen sie buchstäblich alle in einem Boot, auch wenn sie keine Flüchtlinge sind.

INSELN ÜBER DEM WIND

Und die Reise selbst? Fast jeden Tag ein anderer Hafen. In Dominica ein winziger Anleger für kleine Fischerboote, an dem jetzt das riesengroße Flagschiff der TUI-Flotte liegt. In anderen, etwas größeren Häfen ein einziges Gedränge mit anderen Kreuzfahrtschiffen. Wer zuerst kommt mahlt zuerst. „Mein Schiff 5“ macht nachts richtig Knoten, damit wir morgens die ersten im nächsten Hafen sind und den besten Anlegeplatz erwischen.

Zuerst die „Inseln über dem Wind“, ich nenne sie Regenwald-Inseln, weil ihre Vegetation so üppig ist und die Farben so satt sind. (Im Gegensatz zur Bevölkerung.) Wieder schäme ich mich. Dieses Mal für die Kreuzfahrer, die die Hafenstädte überschwemmen. Camp David beim Landgang auf Guadeloupe und Martinique. Camp David unterwegs auf St. Lucia und Grenada. Ich gehöre dazu, fühle mich aber nicht zugehörig. Man sagt, dass der Kreuzfahrt-Boom die Inseln nicht reicher macht. Im Gegenteil. Die Leute kommen und gehen, gaffen und haken ab. Nächste Insel! Warum 14 Tage auf einer einzigen Insel bleiben, wenn ich dafür noch 10 weitere haben kann?

Grenada Manchmal eine Muskatnussfabrik.

Tagsüber Programm. Besuch der wichtigsten Inselattraktionen: manchmal ein gesundes Schwefelbad, manchmal ein traumhafter Strand, manchmal eine Muskatnussfabrik. Abgehakt! Lustige Busse, karibische Klänge, schnelle Boote, überdrehte Lautsprecher. Wer sich selbst und anderen etwas beweisen muss, wählt die organisierten Fahrradtouren mit Lunch-Paket (nicht „all inclusive“) und quält sich in tropischer Hitze. Abends dann wieder frisch geduscht im Gala-Outfit (oder was die Leute dafür halten) in einem der Bordrestaurants. Bei Tisch werden die Abenteuer des Tages ausgetauscht. Wahlweise die Reiseziele der letzten 100 Jahre. „Wo waren wir noch gewesen. Was haben wir noch gemacht gehabt.“ Zum Glück findet man auf „Mein Schiff 5“ auch Tische zu zweit, hat seine Ruhe und wird zuvorkommend bedient. Überhaupt ist alles auf dem Schiff wirklich sehr angenehm. Wenn nur die Gäste nicht wären.

INSELN UNTER DEM WIND

Dann noch die ABC-Inseln: Niederländische Antillen. In umgekehrter Reihenfolge: Curaçao, Bonaire, Antigua. Hier ist es nicht so feucht, aber dafür umso heißer. In Curaçao gehen wir noch von Bord und besuchen bei brütender Hitze – den Weihnachtsmarkt (inzwischen ist es Anfang Dezember); in Bonaire und Antigua bleiben wir gleich an Bord und genießen tagsüber handtuchleere Liegestühle und menschenleeres Bordleben. Wir sind übersättigt.

Bordleben Handtuchleere Liegestühle und menschenleeres Bordleben.

Kreuzfahrten sind anstrengend. Sie haben etwas von Vergnügungsparks, in denen eine Attraktion die nächste jagt … und jede folgende die vorherige noch einmal toppt. Volles Programm! Immer was los. Wer das will, ist hier genau richtig. Statt von Hotel zu Hotel zu reisen, reist das Hotel einfach mit. Kein Ein- und Auspacken, keine mühseligen Fahrten oder Flüge. Jeden Tag ein neuer Hafen, ein neuer Ort, ein neues Land. Der Nachteil: Man kommt nirgendwo richtig an. Die Seele reist nach, sagen die Indianer. Bei einer Kreuzfahrt bleibt sie irgendwo auf der Strecke.

EPILOG

Trotz allem haben wir wieder eine Kreuzfahrt gebucht. Aber dieses Mal ist es die klassische Überfahrt Hamburg – New York, schon immer mein Traum. Allein 7 reine Seetage. Und wieder ist es „Mein Schiff“, dieses Mal die No. 6, ganz neu, aber baugleich mit No. 5. Dieses Mal erhoffe ich mir ein anderes Publikum an Bord. Darunter vielleicht der ein oder andere hoffnungslose Romantiker, der nichts weiter möchte, als dem Meer beim Wellenmachen zuschauen.