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Mr. Jones ist tot. Kein Grund zur Aufregung!

| Reinhard Stiehl

Zuerst habe ich es für einen Vermarktungs-Gag im Zusammenhang mit dem neuen Album gehalten. David Bowie ist immer für so etwas gut. Er hat ja auch seine Kunstfigur Ziggy Stardust „sterben“ lassen und viele glaubten, er – Bowie – sei tot. Er kam immer wieder. Aber dieses Mal scheint es ernster zu sein.

„Look up here, I’m in heaven“ singt David Bowie auf der Single „Lazarus“ von seinem jüngsten Album „Blackstar“. Das Video von „Lazarus“ im Krankenbett legt nahe, dass es sich um einen versteckten Hinweis auf das nahende Ableben handelt. Oder der tote Astronaut im Video des Titelstücks „Blackstar“. Eine Anspielung auf Major Tom am Ende seiner „Space Oddity“?

Aber so genau weiß man das bei David Bowie nie. Gut möglich, dass er nächste Woche als „Starman“ auf einem Video aus dem Jenseits erscheint – mit einer neuen Botschaft für Menschheit:

Cause he knows it’s all worthwhile.

Nach Marc Bolan’s T. Rex war David Bowie der erste Musiker, von dem ich alle Platten hatte – aber nur bis „The Lodger“, Ende der 70 er Jahre. Als er mit „Let’s Dance“ Anfang der 80 er Jahre ein Mega-Pop-Star wurde (und auch danach) hat er mir nichts mehr gegeben. Bis auf gelegentliche Ausnahmen vielleicht. Seine besten Zeiten waren (für mich) die frühen 70 er Jahre. Wahrscheinlich, weil ich damals mit 12, 14, 16 Jahren die Pop-Musik entdeckte.

Mein erstes Bowie-Album war „Hunky Dory“, der Vorgänger von „Ziggy Stardust“. Es war auch wieder so ein großes Album vor dem berühmten Album. (So wie bei den Beatles „Rubber Soul“ oder „Revolver“ vor „Sgt. Pepper“.) „Life on Mars“, die Single-Auskopplung von „Hunky Dory“ war in jeglicher Hinsicht – Text und Musik – eine Offenbarung. Und ist bis heute – vielleicht neben „Heroes“ – die beste Single, die Bowie je veröffentlicht hat.

Ansonsten waren es ohnehin eher die Album-Titel, die es mir angetan hatten. Allen voran „Five Years“, der Endzeit-Song von „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and The Spiders from Mars“. Die wohl beste Eröffnung eines Albums aller Zeiten.

 
„Hunky Dory“ und „Ziggy Stardust“ – das sind die Höhepunkte in Bowies’ (Um-) Laufbahn. Und später noch einmal „Low“ und „Heroes“. „Low“ wiederum das unbekannte, bessere Album vor dem weitaus berühmteren und erfolgreichen „Heroes“. Was danach kam, war nicht mehr der Rede wert. Erwähnenswert sind aber unbedingt noch zwei seiner zahlreichen Produktionen für Kollegen: Lou Reeds „Transformer“ mit dem Welthit „Walk on the wild side“ und Iggy Pops „Lust for Life“ mit dem Evergreen „The Passenger“. Wer diese 6 Alben hat, kennt das Beste von Bowie.

Best_Of_Bowie

Seine Filme, seine Mode, seine Images – alles gut und schön. Aber zeitlebens profitierte Bowie von seinen kreativsten (und intensivsten) Jahren zwischen 1969 und 1979. Dann bekam er neue Zähne. Und jetzt soll er angeblich tot sein. Dabei ist nur ein gewisser Mr. Jones gestorben.