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Nachhaltig seit 1963: der Schweizer Architekt Fritz Haller.

| Reinhard Stiehl

Eigentlich war es ein Nebenprodukt seiner Arbeit als Architekt: 1963 entwarf Fritz Haller das neue Bürogebäude der Firma U. Schärer & Söhne im schweizerischen Münsingen (USM). Zu seinen Aufgaben gehörte es auch, die Büromöbel für den Eigenbedarf zu konstruieren. Dass daraus das wohl berühmteste Möbelbausystem der Welt wurde, ahnte vor fast 50 Jahren noch niemand.

Fritz HallerFritz Haller (Architekt, 1924 – 2012)

Fritz Haller dachte zeitlebens in Baukästen. Was er entwarf, waren keine Einzellösungen, sondern stets Systeme. Systeme, aus denen sich immer neue individuelle Lösungen entwickeln lassen. Genau darin besteht die ganze Genialität und gleichzeitig das Geheimnis seines Erfolgs. Hallers Systeme mussten anpassbar, umbaubar, erweiterbar und veränderbar sein. Keinem Möbelbausystem gelang das jemals wieder so konsequent wie dem USM-System von Fritz Haller. In Paul Schärer, dem Nachfahren des Firmengründers, fand Fritz Haller seinen kongenialen Partner. Bis heute ist USM Haller „unique“ und „outstanding“ – das, wovon viele Hersteller nur träumen können.

USM Haller-Regal bei Stiehl/Over

„Form Follows Function“ war das Prinzip von Schärer und Haller. Der Verzicht auf modische Trends machte Hallers Systemmöbel zu modernen Klassikern, die seit 1988 auch offiziell als „angewandte Kunst“ anerkannt sind und seit 2001 ihren Platz in der ständigen Sammlung des Museum of Modern Art (MoMA) in Ney York haben.

Einrichtungen sind kein Zustand, sondern ein Prozess. Daher muss sich die Form eines Möbels nach seiner Funktion richten – und nicht umgekehrt.

Diese hochaktuelle Philosophie vertrat USM von Anfang an und ist damit nach wie vor wegweisend. Erst sehr viel später begriffen auch andere Möbelbauer, dass Einrichtungen Prozesse sind, die einem ständigen Wandel unterliegen.

Die den sogenannten „Designermöbeln“ oft nachgesagte Untauglichkeit für den (Arbeits-) Alltag, dieses „in Schönheit sterben“, trifft auf die USM Haller-Systeme nicht zu. Seit dem ersten Auftrag, der Möblierung der Bank Rothschild in Paris, hat sich USM zu dem Ausstatter für Arztpraxen und Werbeagenturen, Kanzleien und Konzerne entwickelt und zunehmend auch als privater Wohneinrichter etabliert. Denn USM Haller ist nicht nur funktional, sondern auch wohnlich.

USM Haller-Schrank (rechts) bei Stiehl/Over

Dabei konstruierte Fritz Haller schon nachhaltig, als es zwar den Begriff bereits gab, aber nicht in seiner heutigen inflationären Verwendung. Sämtliche Bauteile des Haller-Systems aus den 1960er Jahren lassen sich bis heute verwenden und mit neu gekauften Teilen kombinieren. Welches System kann das von sich behaupten?

Auch Stiehl/Over ist selbstverständlich komplett mit USM-Möbeln eingerichtet. Kein Schreibtisch oder Container, kein Regal oder Schrank, der nicht von Fritz Haller wäre. Und an unserem allerersten Haller-Tisch von 1989 wird heute noch gearbeitet.

Fritz Haller verstarb am 15. Oktober. Er baute über 100 Schulen und Wohnhäuser, Büros und Fabriken, aber nichts ist so sehr mit seinem Namen verbunden wie das Möbelbausystem, das heute noch seinen Namen trägt: USM Haller. Hoffentlich auch noch in 50 Jahren.