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„Supper’s ready“ – der Singer/Songwriter Jeremy Messersmith kommt zum Essen.

| Reinhard Stiehl

Haben Sie etwas Platz und einen großen Esstisch zuhause? Kochen Sie gut und gerne? Möchten Sie neue Leute kennenlernen? Dann gründen Sie einen Supper Club und veranstalten Sie ein Secret Supper! Vielleicht gewinnen Sie den wohl talentiertesten amerikanischen Liedermacher für ein Tischkonzert: Jeremy Messersmith.

Für manche ist das Thema schon längst gegessen, andere kommen gerade erst auf den Geschmack: Secret Supper, Underground Dining, Guerilla-Cooking – die Gegenbewegung zu überteuerten, überstilisierten Gourmet-Restaurants, die in den eigenen vier Wänden oder an wechselnden privaten Locations stattfindet. Private Koch-Events, zu denen man sich in den sozialen Medien verabredet.

Local Hero

Jeremy Messersmith ist ein Singer/Songwriter aus Minneapolis, der größeren der beiden „Twin Cities“ im mittleren Westen der USA. Die andere heißt Saint Paul und ist die Hauptstadt des Bundesstaates Minnesota. Hier mündet der Minnesota-River in den Mississippi und man sagt, hier träfe die letzte Stadt des Ostens, das traditionelle Saint Paul, auf die erste des Westens, das moderne Minneapolis. Hier in der Metropolregion Minneapolis/SaintPaul ist der „Indie-Pop-Darling“ Jeremy Messersmith seit Jahren ein „local hero“.

Jeremy MessersmithSingt zum Essen: Jeremy Messersmith.

Nun hat er sich entschlossen, auf Tour zu gehen. Aber nicht wie bisher als Opener für andere Musiker oder im Rahmen von größeren Festivals, sondern solo durch die Wohnzimmer seiner Fans. Vom 10. September bis zum 20. November läuft seine Supper Club Tour an ausgesuchten Locations der West- und Ost-Küste und des mittleren Westens. Um 19.30 Uhr geht’s los, um 20.00 Uhr startet die Show (und das Essen), um 22.00 Uhr sind alle wieder verschwunden – es sei denn, der Gastgeber erlaubt seinen Gästen noch länger zu bleiben.

Viele Koch-Konzerte sind bereits ausverkauft, für manche gibt es noch Karten und für einige wenige Städte sucht der Künstler sogar noch Gastgeber: es genügt eine Mail an jeremymnews@gmail.com mit Fotos vom eigenen Wohnzimmer und die Beantwortung einiger Fragen. Ist Platz genug für 30-50 Leute? Haben die Nachbarn etwas dagegen, wenn es lauter wird? usw.

Jeremy Messersmith ist ein Nerd. Ein „musician nerd“, wie er sich selbst bezeichnet. Er ist „Dungeon Master“ im Rollenspiel-Klassiker „Dungeons & Dragons“. Und er schreibt wunderbar melodische Songs im 60s-Stil mit tieftraurigen Texten. Manchmal sieht er aus wie ein „lookalike“ von Buddy Holly; zwischenzeitlich verkörperte er den neuen, sensiblen Mann mit Bart und Brille. Er ist Vegetarier und Mitglied der Occupy-Bewegung, für die er auch einen Song geschrieben hat: „Blue Sky“.

Und alle paar Jahre bringt Jeremy Messersmith eine neue CD heraus, jede für sich ein kleines Meisterwerk: „The Alcatraz Kid“ (2006) war die erste, es folgte „The Silver City“ (2009) und zuletzt „The Reluctant Graveyard“ (2010) – auf dem Cover ein Hochzeitspaar vor der Friedhof; Bräutigam und Braut tragen grinsende Schädelmasken, er mit einem verblühten Strauß Rosen in der Hand. „Songs about Death and Dying“ könnte die Unterzeile lauten.

 

In dem Song „A Girl, a Boy and a Graveyard“ heißt es dann auch passend zur Beerdigung einer Beziehung:

lucy takes the long way home
meets me in a field of stone
she says „i don’t know how i’m s’pose to feel
my body’s cold my guts are twisted steel.“

Die CD bekam hervorragende Kritiken und sorgte auch weit über die Twin Cities hinaus für große Beachtung. Man kann sie – wie seine anderen beiden auch – bei Bandcamp runterladen und selbst bestimmen, wie viel man dafür bezahlen will.

Zu einer gewissen Berühmtheit brachte es Jeremy Messersmith aber erst durch seine jüngste Single, die er nach „The Reluctant Graveyard“ veröffentlichte, und die vor allem durch ihr großartiges Papierschnitt-Video des Animationskünstlers Eric Power bei YouTube verbreitet wurde: „Tatooine“.

Tatooine ist der Heimatplanet von Anakin und Luke Skywalker aus „Star Wars“. Ein unwirtlicher Planet am Ende der Galaxis, der gleich zwei Sonnen umkreist. Jeremy Messersmith ist Star-Wars-Junkie und macht daraus einen zuckersüßen Song über eine Dreiecksbeziehung:

Twin suns of Tatooine
Taught me everything I know

Solos are fine
But duets are romantic
A pair is grand
But a trio’d be disastrous

Vielleicht hat er dabei auch an die Twin Cities gedacht, seine beiden Heimatstädte um die er in den letzten Jahren beständig gekreist ist. Bleibt zu hoffen, dass er mit seiner vierten CD, die für Anfang 2013 erwartet wird, endlich auch über die USA hinaus den Erfolg hat, der einem anderen Musiker aus Minneapolis bereits vergönnt war: Prince Rogers Nelson, kurz „Prince“.

Nicht nur musikalisch geht Jeremy Messersmith ganz andere, neue Wege. Auf die Idee zur Supper Club Tour kam er nach seiner letzten größeren Konzertreise. Schlechte Hotels, schlechtes Essen – und der Kontakt mit dem Publikum beschränkte sich aufs Autogrammeschreiben nach dem Auftritt.

Was gibt es also Besseres als eine Tour durch amerikanische Wohnzimmer zu leckeren, selbst gekochten Speisen aus regionalen Zutaten und guten Gesprächen mit Gästen, die seine Songs wertschätzen. Ich wäre gern sein erster Gastgeber in Europa.