Werbung Osnabrück


Königsdisziplin der klassischen Werbung: Warum wir so gerne Anzeigen machen.

Die Doppelseite im „Stern“ war in den achtziger Jahren einmal das größte was einem Kreativen passieren konnte. Mit dem Privatfernsehen kam in den Neunzigern die große Zeit der TV-Spots, die der Print-Werbung den Rang abliefen. Mit Beginn des 21. Jahrhunderts breitet sich das Internet mit seinen diversen (und mitunter diffusen) Werbeformaten explosionsartig aus. Die Anzeige spielt heute nicht mehr die Hauptrolle im Media-Mix.

Umso interessanter ist es, wenn man als Agentur die Aufgabe bekommt, ausgerechnet für ein digitales Produkt eine klassische Anzeige zu machen.

Um das e-Paper der Münsterländischen Volkszeitung auch im Print-Format zu bewerben dachten wir uns diese Anzeige aus:

Ein Bild, ein Satz, ein Logo. Damit muss alles gesagt sein. Und dennoch ist diese Anzeige eine intellektuelle Herausforderung. Warum? Weil sie doppeldeutig ist und weil man nachdenken muss, um sie zu verstehen. (Das passiert in Bruchteilen von Sekunden und es passiert, weil der Mensch ein Mensch ist und verstehen will, was er wahrnimmt.) Die Pointe entsteht also im Kopf des Lesers. Eine kreative Anzeige bezieht den Leser mit ein. Und bindet ihn damit – an die Anzeige und an das Produkt.

Unser zweites Beispiel spielt selbstironisch mit der Werbung. Und sie stellt deshalb eine besonders große intellektuelle Herausforderung für den Leser dar, denn er braucht Humor, um die Anzeige richtig zu verstehen.

Statt nach dem guten alten McCann-Erickson-Grundsatz „Truth well told“ die Wahrheit über das Produkt gut zu erzählen, stellt diese Anzeige die negativen Aspekte des Kaffeeautomaten in Vordergrund. Tatsächlich lenkt sie aber genau dadurch die Aufmerksamkeit des Lesers noch mehr auf das Produkt. Und damit auf den Absender.

Eine solche Anzeige erfordert Mut. Den Mut der Agentur, ihrem Kunden diese Anzeige vorzuschlagen. Und den Mut des Kunden, diese Anzeige zu veröffentlichen. Der Mut unseres Kunden Thomas Wild ging aber noch weiter. Das … nennen wir es: „selbstgstrickte“ Design der Anzeige war seine Idee. Es sollte die Individualität in der Gestaltung seines Kaffeeladen in der Osnabrücker Krahnstraße ausdrücken, den unser Kunde in … nennen wir es: liebevoller Detailversessenheit selbst ausstattet und einrichtet. (Thomas Wild macht trotzdem einen verdammt guten Kaffee.)

Beide Anzeigen sind keine „Stern“-Doppelseiten, sondern Eckfeld- und Streifen-Anzeigen in regionalen Tageszeitungen. Es ist keine Werbung für Markenartikler, sondern für Mittelständler, für die wir – auch in kleineren Formaten – groß denken. Auch deshalb machen wir gerne Anzeigen.