Werbung Osnabrück


Projekt Semikolon: Stiehl/Over begleitet Osnabrücker Straßenzeitung beim Re-Launch – und findet eine neue Mitarbeiterin.

Die einen sehen darin eine Person, andere eine Straßenflucht, die auf einen Punkt zuläuft. Das neue Logo der Osnabrücker Straßenzeitung „Abseits“ hat ein auffälliges Merkmal: Statt des „i“ im Wort „Abseits“ steht dort jetzt ein Semikolon. Jana Mauer, die das neue Abseits-Logo im Rahmen ihrer Ausbildung zur Mediengestalterin an der BBS Westerberg entworfen hat, arbeitet jetzt in der Agentur, die die „Abseits“ beim Re-Launch beratend begleitet hat: Stiehl/Over.

Für Thomas Kater von der Sozialen Dienste SKM gGmbH (SoDi), der das Projekt Straßenzeitung leitet, war es ein großer Schritt vom alten und bekannten ABSEITS!?-Look zum neuen und modernen abseits-Logo. Aber nach 20 Jahren (die „Abseits“ zählt zu den ältesten deutschen Straßenzeitungen) war es auch für ihn an der Zeit, sich vom „Schülerzeitungs-Appeal der 90er Jahre“ zu verabschieden.

abseits-logo-grau Kopie

Am Konzept der Zeitung, die von Wohnungslosen verkauft und mitgestaltet wird, hat sich grundsätzlich nichts geändert.

„Vom Verkaufspreis in Höhe von 1,60 Euro behält der Verkäufer 80 Cent. Vorher muss er die Zeitung selbst für 80 Cent gekauft haben.“ Damit soll das entwürdigende Betteln verhindert werden. Ein kleines Stück auf dem Weg raus aus dem gesellschaftlichen Abseits, der von der SoDi mit weiteren sozialen Einrichtungen wie der Tageswohnung an der Bramscher Straße unterstützt wird. Auch der Abseits-Chor ist bereits über Osnabrück hinaus bekannt.

abseits-titel-juni-juli-RZ Kopie Die erste Ausgabe im neuen Erscheinungsbild. Titel-Logo: Jana Mauer. Titelgestaltung: Marleen Ehrenbrink. Beide: Stiehl/Over.

Der Abseits-Verkäufer steht im Mittelpunkt – er wird durch das Semikolon als auffälliges und prägendes Merkmal des neuen Logos symbolisiert. Das war die Idee von Jana Mauer, die sich mit ihrem Entwurf gegen weitere Entwürfe ihrer Mitschüler durchgesetzt hat. Dabei war sie am weitesten weg vom bisherigen Erscheinungsbild und hat gleichzeitig etwas wirklich Neues geschaffen. Das hat die Jury der Abseits-Redaktion beeindruckt.

Und das hat auch Reinhard Stiehl, den Kreativ-Chef der Agentur Stiehl/Over, die die Abseits-Redaktion beim Re-Launch beratend begleitet hat, wahrgenommen und überzeugt. So sehr, dass er Jana gleich ein Praktikum in seiner Agentur anbot, das die 18jährige dankbar annahm: „Die schulischen Voraussetzungen für meine Fachhochschulreife habe ich geschafft – mir fehlte nur noch das Praktikum.“

jana-abseitsanzeige

„Jana hat auf höchst kreative Art und Weise gegen das Briefing verstoßen“, erinnert sich Stiehl, „und sie hat für ihren Entwurf wie eine Löwin gekämpft. Das hat mir von Anfang an imponiert.“

Was Jana nicht wusste – das Semikolon als Zeichen hat es inzwischen zu einiger Bekanntheit gebracht. „The Semicolon Project“ heißt eine weitweite Bewegung für depressive, suizidgefährdete und sich selbst verletzende Menschen. Das Semikolon steht dabei als (Satz-) Zeichen, nach dem es weiter geht. „Your story isn’t over yet“ lautet der Claim der Bewegung.

Und weiter:

A semicolon represents a sentence the author could have ended, but chose not to. The sentence is your life. And the author is you.

Für die wohnungslosen Autoren der „Abseits“ ist die Geschichte noch nicht zu Ende, sondern mit Hilfe der Osnabrücker Straßenzeitung oft ein (neuer) Anfang. Für Jana Mauer makiert der Re-Launch der „Abseits“ den Beginn ihrer beruflichen Laufbahn als Designerin. Eine Geschichte, die bei Stiehl/Over gerade erst begonnen hat.