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Kleiner Schreibtisch, großartige Musik – die „Tiny Desk Concerts“ von NPR

Ein Mann steht etwas verloren in einem unaufgeräumten Büro zwischen vollen Schreibtischen und Regalen. Nicht irgendein Mann, sondern kein geringerer als Sir Tom Jones. Und es ist nicht irgendein Büro, sondern das Büro der Musikredaktion von NPR (National Public Radio, ein Netzwerk aus öffentlichen, nichtkommerziellen Radiostationen) in Washington D.C.

Tom Jones, dem sonst auf den großen Bühnen die Herzen und Höschen der weiblichen Fans zufliegen, wird hier im intimen Kreis der Mitarbeiter, begleitet nur von seinem Gitarristen Brian Monroney, ein kleines Konzert geben. Ein „Tiny Desk Concert“. Und es wird auch denen gefallen, die mit Tom Jones sonst nicht allzu viel anzufangen wissen. Denn das kleine Konzert gehört zum Größten, was man von dem Waliser in letzter Zeit gesehen und gehört hat.

Credit: Bob Boilen and John Poole/NPRCredit: Bob Boilen and John Poole/NPR

Der „Tiny Desk“ in der NPR-Musikredaktion gehört Bob Boilen, der das „Format“ 2008 entwickelte. Boilen ist ein alter Hase im Broadcasting und Webcasting. Er entwickelte und leitete „All Things Considered“, die Top-News von NPR, und später machte er aus den Songs, die zwischen den Nachrichten und Analysen gespielt wurden, ein eigenes Format: „All Songs Considered“, das über Streaming Audio ausschließlich online „ausgestrahlt“ wird.

Im April 2008 lud Boilen die Folk-Sängerin Laura Gibson in sein Büro ein und bat sie, an seinem Schreibtisch ein paar Songs für die Mitarbeiter zu spielen. Das war der Beginn einer Reihe von großartigen Konzerten. Alte „Recken“ wie Richard Thompson, der Tom Tom Club oder eben Tom Jones schauten ebenso in der Redaktion vorbei wie aktuelle Bands und Interpreten: Phoenix, K’Naan oder die jüngste Entdeckung der NPR-Musikredaktion, Ivan and Alyosha, um nur einige wenige zu nennen.

200 Tiny Desk Concerts gibt es mittlerweile auch im iTunes-Store zum Gratis-Download und jede Woche kommt mindestens ein weiteres dazu. Wer weiß, vielleicht könnten die Schreibtischkonzerte die legitimen Nachfolger der legendären John Peel Sessions werden, bei denen im Laufe vieler Jahre über 4.000 Bands ihre Songs „live“ im BBC-1-Studio einspielten.

Sir Tom Jones gehörte zu den ersten Gästen von Bob Boilen, sein Konzert datiert vom 2. März 2009, und er kann getrost als Trendsetter für dieses neue Format gelten.